Carl Huter (1861-1912)
Carl Huter
Frühe Jahre:
Carl Huter wurde am 9. Oktober 1861 in Heinde bei Hildesheim, Niedersachsen, geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1868 kam er als Pflegekind zu einem kinderlosen Ehepaar auf einen kleinen Bauernhof.
Schon früh zeigte sich seine Begabung, die von Lehrern und dem Pastor gefördert wurde.
Ausbildung & Kunst:
1876–1881 lernte Huter in Hildesheim das Portraitmalen und arbeitete anschließend als Geselle. Zwischen 1881 und 1885 vertiefte er seine Kenntnisse in Naturwissenschaft, Kunst und Geisteswissenschaft in Leipzig, Berlin und Dresden. In Leipzig beschäftigte er sich intensiv mit Spiritismus und finanzierte sich durch Portraitaufträge und Vorträge.
Beruflicher Werdegang:
1885–1892 arbeitete Huter als selbständiger Portraitmaler in Hildesheim, Wolfenbüttel und Braunschweig. Ab 1886 gab er auch Kurse in Zeichnen und Psycho-Physiognomik.
Berufliche Tätigkeit & Lehren (1892–1912)
Ab 1892 widmete sich Carl Huter ganz seinen Lehren und gab den Portraitmalerberuf auf. Er erteilte Kurse in Malerei, Zeichnen und Physiognomik, hielt Vorträge und führte Diagnosen mit seiner Psycho-Physiognomik durch. Daneben betrieb er naturwissenschaftliche und philosophische Forschung, veröffentlichte Bücher und Broschüren, leitete zeitweise ein Kurbad und baute 1908–1911 in Leipzig eigene Institute auf.
Trotz gesundheitlicher Rückschläge arbeitete Huter bis kurz vor seinem Tod am 4. Dezember 1912 in Dresden unermüdlich für seine Lehren. In dieser Zeit lebte er unter anderem in Wolfenbüttel, Bremen, Hannover, Detmold, Leipzig und Berlin.
Erwerb von Wissen und Kompetenzen
Carl Huter eignete sich sein Wissen über Mensch und Welt weitgehend aus eigener Kraft an – durch Selbststudium, eigene Entdeckungen, berufliche Erfahrungen und Kurse, u. a. bei Prof. Dr. med. Cyriax in Leipzig.
Er verfügte über ein feines Empfindungsvermögen und die Fähigkeit zum Hellfühlen, die er durch Übung weiterentwickelte. Damit gewann er bahnbrechende Erkenntnisse in Natur, Psychologie und Psycho-Physiognomik, etwa zur Naturell-Lehre, Helioda-Strahlung und Augen-Iris-Areal-Lehre.
Seine Autobiografie trägt den Titel „Aus eigener Kraft“ – passend, da seine Erkenntnisse oft aus besonderer Begabung und glücklichen Umständen entstanden.
Verkünder eigener Lehren
Carl Huter stellte in Vorträgen und Kursen die Charaktermerkmale unbe-kannter Personen fest – oft mit verblüffender Genauigkeit. Er zeigte öffentlich, dass auch „tote“ Materie ein Empfindungsvermögen besitzt und dass die vom Menschen ausgehende Helioda- Strahlung Zell- und Körperprozesse beeinflussen kann.
Huter genoss große Anerkennung bei Schülern, Patienten und Vortragsbesuchern, erhielt aber keine offiziellen Auszeichnungen. Seine Arbeit als Privatgelehrter war herausfordernd: Er wirkte allein, auf privater Basis, und musste seine oft ungewöhnlichen Lehren überzeugend vermitteln, um Menschen dafür zu gewinnen.
Verbreitung der Lehren
Carl Huter unternahm zahlreiche Vortragsreisen durch ganz Deutschland – von München über Berlin bis Hamburg – und begeisterte tausende Zuhörer mit seinen Demonstrationen und Experimenten. Seine Lehren wurden in über 300 Zeitungsberichten gewürdigt, und er erhielt mehr als 100 Anerkennungsschreiben. Er veröffentlichte über 30 Bücher und Broschüren, gab die Zeitschrift Hochwart heraus und leitete den Carl-Huter-Bund mit rund 600 Mitgliedern. Außerdem gründete er Verlags- und Forschungsinstitute, bildete Dozenten aus und betrieb zusammen mit seiner Frau ein Kurbad, in dem er Diagnosen stellte und das Personal ausbildete.
Meiner psycho-physiognomischen Lehre Sinn und Wahrheit
Das Gesicht offenbart uns die geistigen Kräfte, Gesundheit und Krankheit und Leben und Sein!
Im Auge, da spiegeln sich die kreisenden Säfte, Das Leid und die Liebe und die Seele so rein!
Der Kenner enträtselt das Wesen der Formen, Chrakter und Willen und Schwäche und Kraft, – Enthüllt uns, was gut ist, was schlecht und verdorben Und zeigt uns die Wege zur strahlenden Macht!
Er zeigt uns die Tiefen des Weltalls im Reigen Und misst alle Formen, ob gross oder klein. Er lehrt uns das feinste Empfinden sich zeigen. In Tieren und Pflanzen, Kristallen und Stein.
Natur ist nur Leben und Lieben und Sterben Entwickeln und Wachsen und Blühn und Vergehn; Ein Aufstieg zum Schönern, zum Bessern – ein Werden. In liebendem Wollen, ein Ewiggeschehn.
Wohl dem, der das Wirken der Welt hat erfahren! Er weiss, was er will – was Ziel ist im Sein. Er wird sich das Beste im Herzen bewahren, Das liebende Schaffen im edlen Verein.
Carl Huter
Erstveröffentlichung der ersten zwei Strophen in «Hochwart», 1907, III. Vierteljahresausgabe.
Erstveröffentlichung aller fünf Strophen in Carl Huter: Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis, 1911.
Die Strophen eins und zwei sind am 12. März 1907 in Bremerhaven entstanden, die Strophen drei bis fünf vermutlich im Sommer 1910, vermutlich in Leipzig.
«Jedes Wesen aber, das lebt, ist durch ein Stücklein von dem Glück das man Liebe nennt, und war es auch nur einen Augenblick, ins Leben gerufen – trägt also ein kleines Samenkorn von Liebe und Glück in sich, und dieses ist eigentlich der Träger des Lebens.»
Carl Huter
Quelle : Carl-Huter-Stiftung
Quelle: Studienköpfe.de
Die Lehren über Welt und Mensch
Fünf naturwissenschaftliche Grundlagen
Die folgenden Abschnitte geben einen kurzen Überblick über die grundlegenden Ideen der Huterschen Welt- und Menschenlehre. Die Darstellung erfolgt aus der Perspektive einer externen Fachperson.
Ergänzend folgen später Originalzitate von Carl Huter.
1. Drei Grundelemente des Universums
Nach Carl Huter besteht die Welt aus drei grundlegenden Elementen:
Ruh-Element – Grundlage der Materie
Bewegungs-Element – Grundlage von Energie und Kraft
Empfindungs-Element – Träger von Empfinden, Leben und Bewusstsein
Alle Stoffe bestehen aus sehr feinen Grundkörpern, die diese drei Elemente enthalten. Durch ihre Wechselwirkungen entstehen Materie, Energie und schließlich auch Lebensformen. Eine zentrale Idee Huters ist, dass Materie nicht völlig passiv ist, sondern eine Form von latenter Empfindungsfähigkeit besitzt.
2. Vom Stoff zum Leben
Die Entstehung von Leben aus Materie erklärt Huter durch die Wirkung des Empfindungs-Elements. In bestimmten Molekülen – besonders in Eiweissverbindungen – ist dieses Element weniger stark gebunden.
Dadurch können sich über lange Zeiträume Strukturen entwickeln, aus denen schließlich die erste lebende Zelle entsteht. Mit dem Auftreten von Zellen erscheinen die grundlegenden Eigenschaften des Lebens: Stoffwechsel, Reizempfindlichkeit, Wachstum und Fortpflanzung.
3. Die Zelle als Zentrum des Lebens
In der lebenden Zelle sieht Huter das Empfindungs-Element als organisierende Kraft. Sein Hauptsitz ist nach Huter das Zentrosom (Polkörper) der Zelle. Von hier aus werden wichtige Zellprozesse gesteuert, etwa die Zellteilung. Das Leben beruht somit auf einer konzentrierten Tätigkeit des Empfindungs-Elements. Wenn diese Kraft nachlässt oder sich löst, endet das Leben der Zelle.
4. Helioda-Strahlung, Bewusstsein und Seele
Durch die Konzentration des Empfindungs-Elements entsteht nach Huter eine sehr feine Energieform, die er Helioda-Strahlung nennt. Diese Energie steht in Zusammenhang mit: Bewusstsein, Gewissen, geistiger Entwicklung
Im Laufe der Evolution verstärkt sich diese Kraft besonders im Nervensystem und im Gehirn. Beim Menschen erreicht sie ihre höchste Entwicklung. Huter sieht im Empfindungs-Element auch den Ursprung von Lebenskraft, Liebeskraft und geistigem Bewusstsein.
5. Verbindung von Innen und Aussen
Ein weiteres zentrales Prinzip ist die Entsprechung zwischen innerem Wesen und äußerer Erscheinung.
Nach Huter spiegelt sich der innere Charakter eines Lebewesens auch in seinem äußeren Ausdruck wider. Je stärker die innere Lebens- und Liebeskraft, desto mehr zeigen sich nach außen:
Lebendigkeit
Ausstrahlung
Schönheit